Referat im Werpeloher Hof – Habe Mut – Lebe heute
Am Dienstag, den 30.November 2004 war ich auf Einladung einer Frauengemeinschaft im Werpeloher Hof. Man hatte mich gebeten ein Referat zu halten. Ich wusste, dass alle ein wenig neugierig auf mich waren. Eine Frau im Rollstuhl und dann spricht sie über „Habe Mut – lebe heute.“ Geht das überhaupt?
Ich kam also an in diesem festlich geschmückten Saal. Die Kaffeegedecke und die roten und grünen Adventgestecke mit den leuchtenden Kerzen lachten mir entgegen und wärmten mir das Herz. Nach und nach kamen so ca. 100 Damen hereinspaziert. Ein Weihnachtslied, Kaffee und Kuchen und dann war ich dran. Ich habe ihnen aus meinem Leben erzählt, wie ich in die Krise geschlittert bin und wieder herausgekrabbelt bin. Es war mucksmäuschenstill, als ich zum Abschluss sagte : „Bewahren Sie sich den Blick für Menschen, die nicht ganz heil sind an Leib und Seele. Vor allen Dingen seien Sie dankbar und genießen Sie den Augenblick, den Sie gerade jetzt leben dürfen.“ Dann habe ich und ein paar Passagen aus meinen Büchern vorgelesen . Und ich spürte, dass mein Engel mich begleitet.
Dennoch, das Herz schlug mir bis zum Halse. Wie würden sie reagieren? Sie waren doch alle gesund. Keiner saß so wie ich im Rollstuhl. Da kam der Applaus! Mit soviel Herzlichkeit hatte ich nicht gerechnet. Sie kamen zu mir, erzählten mir von Freunden und Familienmitgliedern, die irgendwie erkrankt waren, und dass Sie jetzt alles mit anderen Augen sehen könnten. Einige hatten gerade eine Krebskrankheit überstanden. Andere hatten sich wiedererkannt, so war es auch in ihrem Leben gewesen. Ich durfte viele Bücher signieren und hatte das Gefühl reich beschenkt worden zu sein. Seit diesem Tag ist bei mir der Advent ins Herz gezogen.
Ich weiß, dass die scheinbar gesunden Menschen nur darauf warten, dass man ihnen die Augen und das Herz öffnet für Menschen, die so leben müssen wie wir. Wie sollen sie uns verstehen, wenn wir nicht offen über unser Leben sprechen?
Könnt Ihr mich verstehen, meine Freude nachempfinden?