Besuch in der Realschule Lastrup
Am Mittwoch, den 03.Mai 2006 war es soweit. Vor einigen Wochen wurde ich von zwei Mädchen der Klasse 10 R zu MS befragt. Zum Abshluss fragten sie mich, ob ich wohl in ihre Schule kommen würde und dort ein Referat vortragen würde. Ich konnte nicht nein sagen, so nett wie ich gefragt wurde. Mit Herzklopfen kam ich also auf dem Parkplatz der Schule an. Dort wurde ich von einigen Lehrern in Empfang genommen und man geleitete mich in das Lehrerzimmer. Dieser herzliche Empfang nahm mir die letzten Bedenken, der Einladung gefolgt zu sein. Eine Tasse Kaffee, aufmunternde Worte und dann ging es Richtung Klassenzimmer. Die Pause war zu Ende und die Schüler erwarteten mich bereits. Aufmerksam beobachtete man mich und ich war angenehm überrascht von diesen jungen Leuten.
Ich begann mit meinem Vortrag und aufmerksam hörte man mir zu. Würde ich die 16-17jährigen Schüler überfordern? Diese Frage hatte ich mir im Vorfeld immer wieder gestellt. Nein, die Jungen und Mädchen nahmen meine Worte interessiert auf. Sie sahen den Film “Blueprint” mit Franka Potente, die hier in einer Doppelrolle glänzte. In dem Film ging es um eine an MS erkrankte Pianistin. Die Krankheit beendete die Karriere dieser Frau und sie sah nur den einen Ausweg. Ihre Tochter, ganz sie, weil sie geklont war, sollte ihren Weg weitergehen. Diese Geschichte musste tragisch ausgehen. Ich bekam das Gefühl, dass ich ein Vorurteil ausräumen konnte. Multiple Sklerose muss nicht zwangsläufig das Ende des Lebens bedeuten. Es kann auch eine neue Herausforderung an das Leben bedeuten. Im Anschluss an mein Referat, das von meinen Ängsten erzählte und wie ich sie jeden Tag bewältige, trat erst mal eine Stille ein. Aber dann kamen Fragen, die ich gerne beantwortet habe. Natürlich haben sie sich auch die Bücher “Die andere Freiheit auf Rädern – Mein Leben mit der MS”, Weg der Tränen – wie Theresa ihr Glück fand” und Alabaster und Gold” von der Autorin Anita Hermeling angeschaut. Oh, ich glaube, das bin ich. Dieser Besuch in einer Realschule hat mir gezeigt, dass junge Menschen durchaus bereit sind, sich mit ernsten Themen auseinander zu setzen. Und ich glaube, ich durfte Ihnen zeigen, dass auch ein Mensch, der mit einer Krankheit leben muss, Lebensfreude zeigen kann, weil er sie wieder in sich verspürt. Solche Veranstaltungen sind ein größerer Beitrag zum gegenseitigen Verstehen als jeder akademische Film oder Vortrag über chronische Erkrankungen, wurde mir von Jemandem gesagt, der es wissen muss. Ist es so? Seit heute glaube ich es.
Bevor ich den Raum und das Schulgelände verließ, überreichten mir die beiden Mädchen, die mich zu Hause besucht hatten, einen Blumenstrauß, den ich gerne annahm.