Ich möchte eine Brücke bauen
Manchmal da beschleicht mich das Gefühl, das Leben dreht sich nur noch um gesunde und dynamische Menschen. Dann frage ich mich: “Und wo bleiben all die anderen, die nicht mehr so jungen und heilen Menschen, die diesem Zeit-Ideal nicht entsprechen?” Auch ich gehörte dieser Gruppe an und das schon seit vielen Jahren. Mittlerweile bin ich mit der MS, die mir nie von den Fersen wich, sich manchmal nur still verhielt, um dann umso härter wieder auf zu treten, einen weiten Weg gegangen.
Wenn mir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte, ich würde schon bald Lesungen aus meinen eigenen Büchern halten, dann hätte ich ihm geantwortet: “Niemals wird das passieren! Ich sitze im Rollstuhl, besitze nicht die Begabung Bücher zu schreiben, habe Angst frei zu sprechen und mehr als 10 Menschen auf einem Fleck bescheren mir Schweißausbrüche und rasendes Herzklopfen!” Und doch mache ich heute genau das, vor dem ich so große Angst hatte.[inspic=10,right,fullscreen,thumb]
Ich schreibe, halte Lesungen aus meinen Büchern und spreche über mein Leben mit einer unheilbaren Krankheit, weil ich es mir in den Kopf gesetzt habe, eine Brücke zu bauen zwischen gesunden und kranken Menschen. Es ist nicht unmöglich, dass auch Sie einmal durch eine Krankheit oder einen Unfall plötzlich auf der anderen Seite sitzen und total deprimiert verzweifelt nach einem Weg aus dieser Krise suchen. Und deshalb mag ich nicht schweigen und erzähle einfach, wie es mir erging.
Meine Ängste entwickelten sich, als ein Gnom sich frech in mein erst 15 Jahre zählendes Leben schlich, und ich nicht auf ihn gefasst war.
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