Interview in: Aktiv mit MS
Thema des Monats Mai: „Ich lasse mich von meinen Erfahrungen inspirieren“
05.05.2010
Anita Hermeling hatte schon als Kind den Traum zu schreiben. Erst viel später, als ihre MS-Erkrankung sie zwang, ihren Beruf als Büroangestellte aufzugeben, setzte sie diesen lange gehegten Wunsch in die Tat um. 2001 veröffentlichte sie ihr erstes autobiographisches Buch „Die andere Freiheit auf Rädern – mein Leben mit der MS.“ Es folgten diverse Romane und ein Gedichtband.
Frau Hermeling, Sie haben Ihren Jugendtraum, schriftstellerisch tätig zu werden, schon vor einigen Jahren verwirklicht und sind mittlerweile Autorin von mehreren Büchern. Wie kam es dazu?
Ich war an einem absoluten Tiefpunkt in meinem Leben angelangt. Die Krankheit hatte sich verselbstständigt. Die Angst, mich zu verlieren, wurde größer und größer. Reden mochte und konnte ich mit niemandem mehr. Das war der Augenblick, als ich mich in mein Zimmer verkroch und mir die Finger wund schrieb. Die Wut, die mir die Luft zum Atmen nahm und Bauchschmerzen verursachte, fiel aufs Papier. So füllte sich eine Seite nach der anderen in meinem Tagebuch. Papier ist geduldig, saugt auf, was man nicht laut zu sagen wagt. Ich klagte Gott und Mitmenschen an mit Worten hart wie Granit. Doch dann, als ich mir endlich alles von der Seele geschrieben hatte, trat die Wende in mein Leben. Ich wurde wieder offen für den normalen Alltag, ließ mir von meiner Psychologin bei den ersten Schritten helfen. Sie war es, die mich während eines Krankenhausaufenthaltes auf die Idee brachte, aus meinen vielen Tagebüchern ein Buch entstehen zu lassen. Ich machte mich daran, meine Lebensgeschichte zu verfassen, weil es sich gut und richtig anfühlte. (Weiterlesen …)


