Rosinenschnecken, Ehefrust und Düwelstein

Emsländische Autoren lesen Kurzgeschichten in der Buchhandlung Bödiker. Nach einem Bericht von Kim Karotki : EL-Kurier am Sonntag, 30.1.2014

20141130 EL-KurierHaselünne(EL) – Über einen Kamm scheren lassen sich die emsländischen Autoren nicht. Von der naiven Ehefrau über den eigenbrötlerischen Rosinenschneckenfresser, bis zum geizigen Kaufmann der Haselünner Sagenwelt – so vielfältig wie die Themen ist auch der Erzählstil der drei Autoren, die in der Buchhandlung Bödiker im Rahmen der Aktion „Haselünne liest und singt“ ihre Lesehäppchen dem Publikum präsentiert haben.

„Ich richte alles liebevoll her. Paul soll sich wohlfühlen, wenn er mit seiner Aktentasche unterm Arm und dem Blumenstrauß in der Hand zu mir heimkommt.“ Die Autorin Anita Hermeling liest die Gedanken der Mitfünfzigerin, die auf ihren Mann wartet, halb empathisch, halb distanziert vor.
Die liebevolle, aber naive Protagonistin, der Kurzgeschichte „Ach Paul, das wird fein“ ist Sympathieträgerin und doch muss man über sie lachen, wie sie das gemeinsame Essen vorbereitet, sich nett zurechtmacht, denn „Paul liebt es appetitlich“ und auf ihren Ehemann wartet: „Nun könnte er langsam kommen. Ewig dauert so eine Verabschiedung doch auch nicht.“ Und Paul?
Der Rechtsanwalt hat seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand. „Es ist 20 Uhr, da kommt er zur Tür herein, wackelt bedächtig, eine mächtige Fahne eilt ihm voraus.“ Doch er ist kein chauvistischer Fiesling, denn „seine Augen leuchten und den Blumenstrauß überreicht er mir wie am Hochzeitstag.“
Ein Problem steht trotzdem zwischen den beiden; der stets aktive Paul muss nun seine Zeit außerhalb der Kanzlei vertun, und das fängt mit Rumhängen an, geht über das stündliche Anrufen seiner Frau auf der Arbeit, das Renovieren des Hauses bis hin zum Selbstfindungstrip von Fengh Shui bis zum Seitensprung.
Hermeling gehört zu den Autoren der Reihe „Längs der Ems und quer zur Hase“, des Haselünner Machandel Verlags. Die gelernte Bürokauffrau kam durch die Erkrankung an Multipler Sklerose ans Schreiben. Die kreative Arbeit half ihr, mit ihrer Krankheit umgehen zu können und so entwickelten sich die Stimmungen ihrer Geschichten von der Schwermut zu heiteren Tönen. So gehört die Erzählung von Paul und Marie zur letzteren Gruppe mit ihrer liebevoll-ironischen Erzählweise………………

Ein Gedanke zu „Rosinenschnecken, Ehefrust und Düwelstein

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