Alabaster und Gold

Westfälische Nachrichten 20. Oktober 2007

Warendorf:“Je mehr man von sich preis gibt, desto besser kann man mit MS leben“, sagt Gerda Zumbusch. Auch sie musste erst lernen, über ihre Krankheit zu sprechen. Sie weiß genau, wie sich Menschen fühlen, die gerade erst die verheerende Diagnose erhalten haben. Menschen, die ihre eigene Zukunft vor sich wähnen, wenn sie einen Menschen im Rollstuhl sehen. Aber sie hat es geschafft, über sich und ihr Leben mit Multipler Sklerose zu sprechen und ihre Erfahrungen weiter zu geben. Seit rund einem Jahr organisiert sie den Warendorfer „Kontaktkreis Multiple Sklerose“.
Die Selbsthilfegruppe möchte für Betroffene eine Plattform zum Austausch sein. Einmal im Monat treffen sich 20 bis 25 Betroffene und Angehörige, um sich auszutauschen und sich zu informieren. Der Kontaktkreis möchte aber auch in der Öffentlichkeit für die Krankheit sensibilisieren. „Im Moment möchte ich die Gruppe erst einmal aus ihrem Dornröschenschlaf wecken“, sagt Zumbusch über ihre Intentition.
Einen Schritt dazu macht die Initiative am Dienstag (23.Oktober) um 19.00 Uhr in der VHS: In Kooperation mit der Volkshochschule Warendorf hat die Gruppe die Oldenburger Autorin
Anita Hermeling
eingeladen. Die 55-jährige Malerin und Schriftstellerin ist ebenfalls an Multipler Sklerose erkrankt und hat, erklärt VHS-Leiter Rolf Zurbrüggen, ihre Krankheit in dem Roman „Alabaster und Gold“ verarbeitet. Hinter dem Titel verbirgt sich eine große Familiensaga, deren Protagonistin eine Frau ist, die ebenfalls erkrankt ist.[inspic=26,left,fullscreen,120]
Kurz hat Gerda Zumbusch die Autorin, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, schon kennen gelernt. „Eine sehr lebenslustige Person“, sagt sie anerkennend nach dem ersten Kontakt, der schon viele Gemeinsamkeiten gezeigt habe. Anita Hermeling habe es offensichtlich geschafft, ihre Krankheit und deren Konsequenz zu akzeptieren. „Man muss es annehmen und mit den Grenzen leben.“

Westfälische Nachrichten, 20.Oktober 2007

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.