Mit 15 Jahren bemerkt sie den Kobold zum ersten Mal

die Glocke, 27. Oktober 2007

[inspic=27,left,fullscreen,120]Warendorf (gl). Schon sehr früh kannte sie seinen Namen, nahm ihn jedoch wohl nicht richtig wahr. „Gestatten, ich heiße Multiple Sklerose“, stellte sich der Kobold bei ihr vor….
Am Dienstagabend bot die Volkshochschule in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe für MS-Kranke eine besondere Autorenlesung an. Anita Hermeling erzählte aus ihrem Leben mit der Krankheit, las aus ihrem ersten Roman und stellte ihren Gedichtband vor, der in Kürze erscheinen wird. Ãœberwiegend Betroffene fanden den Weg in die VHS – Aula. Dabei wäre die Lesung unbedingt auch für Gesunde eine persönliche Bereicherung gewesen.
Hermeling berichtete, wie sie sich zunehmend von dem unerwünschten Kobold gefangen nehmen ließ. Ihr ganzes Leben geriet aus den Fugen, sie verging in Selbstmitleid und ließ sich gehen. Ihr Mann war es schließlich, der sie aus ihrer Gedankenwelt befreite. „Entweder du fängst wieder an zu leben, oder ich gehe“, stellte er sie vor die Wahl. Begegnet man ihr heute, mag man gar nicht glauben, dass diese Frau einmal ganz tief unten war. Eine Freundin bewegt sie dazu, sich in der Aquarellmalerei zu versuchen. Nach anfänglichen Bedenken entdeckt Hermeling dann ihr kreatives Potenzial. „Ich malte drauf los. Langsam verschwanden meine Ängste, es kam sogar Freude auf. So muss es wohl sein, wenn man mit dem Tod tanzt“, sagte sie. Von der Malerei kommt sie dann zum Schreiben. In den ersten beiden Büchern setzt sie sich mit der Krankheit auseinander. Ihr erster Roman „Alabaster und Gold“ erscheint schließlich im Dezember 2005. Darin beschreibt sie den Lebensweg einer an Multiple Sklerose erkrankten Frau, die zu einer erfolgreichen Kinderbuchautorin wird.

Die Glocke (Andreas Poschmann) 27. Oktober 2007

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.