Westfälische Nachrichten

„Manchmal klopft die Angst an“

[Bild nicht gefunden]Reckenfeld – „ . . . und dennoch kann ich mich freuen!“ Ein Satz, der für die Künstlerin Anita Hermeling vielleicht zu einer Art Lebensmotto geworden ist. Bei der Malerin aus Lingen wurde 1986 Multiple Sklerose (MS) festgestellt – eine Erkrankung, die die Mutter von drei Kindern schließlich auch an den Rollstuhl fesselte. Doch sie suchte und fand einen Weg aus dieser schweren Lebenskrise: Anita Hermeling begann mit dem Malen und bemerkte die therapeutische Wirkung: „Sobald ich Pinsel und Farbe vor mir hatte, fingen meine Ängste an, sich aus meiner Seele zu schleichen und fielen auf das Papier. Mein Bauch wurde wunderbar warm, wenn ein Motiv gelang. Ich wusste wieder wie Freuen geht. Und das ist bis heute so geblieben.“ Einige ihrer Bildmotive sind in kräftigen energievollen Farbtönen gehalten wie zum Beispiel „Der Vulkan in mir“ – der zugleich eine kraftvolle Bewegung und ein In-Sich-Ruhen ausdrückt. Auch ihre farbenfrohen lichten Aquarelle strahlen diese Lebensbejahung aus. Blüten, Landschaften, Stillleben und auch das Motiv des (Schutz-) Engels prägen ihre Malerei. der-vulkan-in-mir Vor acht Jahren verwirklichte sich Anita Hermeling ihren Jugendtraum und begann mit dem Schreiben als eine weitere Form ihrer Krankheitsbewältigung. 2001 veröffentlichte sie ihr erstes autobiografisches Buch „Die andere Freiheit auf Rädern – Mein Leben mit der MS“. Weitere Veröffentlichungen folgten, unter anderem der Roman „Alabaster und Gold“ und ein Gedichtband. Es ist der Malerin und Autorin ein Anliegen, ihre Erfahrungen mitzuteilen und anderen Erkrankten Mut zu machen. Am Sonntag nun wird eine Ausstellung mit einem Teil ihrer Werke im Matthias-Claudius-Haus eröffnet, verbunden mit einer Lesung aus ihrem Buch: „Wenn die Seele Zick-Zack läuft“. Darin sieht sie ihre Situation durchaus nüchtern: „Natürlich klopft die Angst zwischendurch immer mal wieder an, wenn es mir nicht so gut geht, aber ich falle längst nicht mehr so tief, stelle ich dankbar fest. Ich spüre den festen Boden unter meinen Füßen, denke daran, dass ich eine intakte Familie, gute Freunde und eine Lebensaufgabe habe. Ich werde schreiben und malen, solange mir die Kraft erhalten bleibt. Was brauche ich mehr?“Das MCH lädt alle Bürger zur feierlichen Vernissage mit Lesung am Sonntag, 6. September um 16 Uhr ein. Die Ausstellung ist bis zum 22. November von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr im Matthias-Claudius-Haus zu sehen.

Donnerstag, 03. September 2009  |  Quelle: Westfälische Nachrichten (Greven)

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.