Münstersche Zeitung

Matthias-Claudius-Haus
Starke Frau zeigt starke Bilder
Reckenfeld: Die Malerin Anita Hermeling aus Lindern stellt im Matthias-Claudius-Haus aus. Sie ist eine ungewöhnliche und starke Frau.
1986 wurde bei ihr Multiple Sklerose (MS) festgestellt – eine Erkrankung, die sie schließlich an den Rollstuhl fesselte. Am Sonntag, 6.September, lädt das Matthias-Claudius-Haus zur feierlichen ERöffnung der neuen Ausstellung mit den Werken von Anita Hermeling ein.

Therapeutische Wirkung
Die Mutter von drei Kindern fand den Weg aus der Lebenskrise, indem sie ihr Leben in die Hand nahm. Anita Hermeling begann mit dem Malen und bemerkte die therapeutische Wirkung: „Sobald ich Pinsel und Farbe vor mir hatte, fingen meine Ängste an, sich aus meiner Seele zu schleichen und fielen auf das Papier. Mein Bauch wurde wunderbar warm, wenn ein Motiv gelang. Ich wusste wieder wie Freuen geht. Und das ist bis heute so geblieben“, beschreibt sie die Wirkung, die das Malen auf sie hat. Einige ihrer Bildmotive sind in kräftigen energievollen Farbtönen gehalten wie z.B. „der Vulkan in mir“ – der zugleich eine kraftvolle Bewegung und ein In-sich-Ruhen ausdrückt.

Lichte Aquarelle
Auch ihre farbfrohen lichten Aquarelle strahlen diese Lebensbejahung aus. Blüten, Landschaften, Stillleben und auch das Motiv des (Schutz-) Engels prägen ihre Malerei. Vor acht Jahren verwirklichte sich Anita Hermeling ihren Jugendtraum und begann mit dem Schreiben als weitere Forum ihrer Krankheitsbewältigung. 2001 veröffentlichte sie ihr erstes autobiografisches Buch „Die andere Freiheit auf Rädern – Mein Leben mit der MS“. Weitere Veröffentlichungen folgten, unter anderem der Roman „Alabaster und Gold“ und ein Gedichtband.

Dankbarkeit
Mit der Vernissage ihrer Malerei im Matthias-Claudius-Haus verbindet Anita Hermeling deshalb auch eine Lesung: „Wenn die Seele Zick-Zack läuft“ – und wie sie ihren Weg fand. Sie äußert sich realistisch: „Natürlich klopft die Angst zwischendurch immer mal wieder an, wenn es mir nicht so gut geht, aber ich falle längst nicht mehr so tief, stelle ich dankbar fest.“

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.