Sie zeigt uns Bilder aus Zeiten der Krankheit

Grevener Zeitung 06.09.2009

Anita Hermeling eröffnet Ausstellung im MCH

Greven: Ganz still wird es im Saal des Mathias-Claudius-Hauses (MCH) als Anita Hermeling mit ruhiger Stimme ihre Lebensbiographie vorträgt. Sie leidet an Multipler Sklerose (MS) und stellt im MCH ihre Werke aus. Die Malerei entdeckte sie als Therapie für sich. „Ihre Bilder in Acryl und Aquarelltechnik versprühen Farbenergie und strahlen Lebensbejahung aus“, erklärt Suse Jetter vom MCH. Die Bilder zeigen Blumen, Begegnungen und abstrakte Motive. Die Ausstellungseröffnung begleitete Anita Hermeling mit einer Lesung. Denn sie malt nicht nur, sondern schreibt auch Geschichten und Gedichte.rosi-bechtels-aufnahme-2-klein
Eine starke Frau sitzt dort im Rollstuhl, lässt ihr Leben Revue passieren. Doch bis sie zu dieser starken Frau wird, vergehen viele Jahre. Jahre voller Ängste, Zweifel.

Die Lebensgeschichte
Ihre Lebensgeschichte stimmt die Zuhörer nachdenklich. Zu Beginn der Krankheit zeigt sie sich stark, gute Phasen lassen Hoffnungen aufkommen, dass sie vergeht. Doch mit der Geburt des dritten Kindes schlägt die MS mit voller Wucht zu. Nach wie vor hat sie Ziele, lässt sich nicht unterkriegen, ist neben Familie und Haushalt noch berufstätig. Doch mit Fortschreiten der Krankheit gewinnt die Angst die Kontrolle über sie. Der Freundeskreis verkleinert sich drastisch, die Kinder ziehen sich zurück.

Tagebücher
In Tagebüchern hält sie ihre Gedanken und Ängste fest. „Ich sah alles, war nicht blind, doch ich entfernte mich immer mehr von meiner Familie“, erzählt sie den Zuhörern. Erst ernste Worte des Ehemannes rütteln sie auf. Eine Freundin legt ihr Malutensilien auf den Tisch. Erst zaghaft, dann voller Freude beginnt sie zu malen, später zu schreiben. Die Ängste schleichen sich aus ihrer Seele, sie kehrt zurück ins Leben. „Die Jahre des Kampfes waren keine verlorenen Jahre“, betont sie. „Behinderte Menschen sind Menschen wie du und ich. Akzeptanz ist wichtig. Ich stehe (wieder) mitten im Leben und nicht daneben“.
……
Die Bilder stehen bis zum 22. November im MCH (10-12 und 14-16 Uhr).

Grevener Zeitung, Rosi Bechtel

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.