Anita Hermeling – Vortrag im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg

Mittwoch, den 28.April 2010

Es war meine erste Veranstaltung seit Langem. Krankheitsbedingt war ich gezwungen, meine kreative Phase zu unterbrechen. Und so stellte sich bei mir starkes Lampenfieber ein, als ich in Begleitung meines Mannes die Autobahnabfahrt erreichte, die mich zum Israelitischen Krankenhaus führte. Ich kontrollierte ein letztes Mal meine Tasche. „Alles dabei? Nichts vergessen?“ Aufatmen und ein befreiender Seufzer ließen mich ruhiger werden. Wir kamen an bei herrlichem Sonnenschein und setzten uns auf die Bank vor dem Krankenhaus. Ganz relaxed hatte ich den Eingang im Auge. Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung hieß Dagmar Berghoff und Willkommen. Mein Mann schob mich in den Raum. Hell und freundlich zeigte er sich mir. Mein Blick streifte die leeren Stühle. Würden sie besetzt sein, wenn ich meinen Vortrag beginnen würde. Diese Sorge trage ich fast immer in mir und werde dann meisten angenehm überrascht. So auch dieses Mal. Der Raum füllte sich nach und nach. Das ist schön, das macht mir Mut! Dann weiß ich, es besteht Interesse an meinem Vortrag, an dem, was mir auf dem Herzen liegt.
Verwaltungsdirekter Volker Krüger eröfnete offiziell die Veranstaltung. Er freute sich über die vielen Gäste und war selber ein wenig aufgeregt. Ich fragte mich: „Warum eigentlich? Reicht doch, wenn ich es bin.“ Insgeheim freute ich mich, einen Verbündeten zu haben. Dann begrüßte Dagmar Berghoff mich.

Dagmar Berghoff begrüßt mich im Israelitischen Krankenhaus
Sie erzählte, dass sie mich in meinem Zuhause in Lindern aufgesucht hätte im Sommer letzten Jahres und mich eingeladen hätte, die Lesung im Israelitischen Krankenhaus zu halten. Es hätte ihr bei uns gefallen und ich konnte merken, dass sie auch meinte, was sie hier vortrug. Dann übergab sie mir das Wort. Und plötzlich fiel mir alles leicht. Ich war im Hier und Jetzt. Mein Vortrag, der natürlich meinen Weg der Krankheitsbewältigung beschrieb, aber auch Raum bot für eigene Gedanken zur Problembewältigung, kam an. Frau Berghoff meinte hinterher und sie räusperte sich dabei. Man finde sich oft selber wieder. Und genau das ist es, was ich mir wünsche. Dann weiß ich, so fühlt es sich auch für mich richtig an. Und dann darf ich nicht vergessen, es gab auch eine Vernissage. Meine Bilder, die ich in Acryl malte, gaben meine positive Grundstimmung wieder und ich freute mich über die positive Beurteilung der Kunstkenner.
anregende Gespräche während der Vernissage
Müde aber sehr positiv eingestellt verließ ich nach dem Genuss der Fingerfoodangebote und der vielfältigen und anregenden Gespräche mit den Gästen und Gastgebern das Haus Richtung Hotel. „Die Unruhe und das Lampenfieber vorher muss wohl sein, damit es ein Erfolg wird“, dachte ich vor dem Einschlafen.

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.