Emsland Zeitung

"Meine Ängste fallen aufs Papier"

Buchautorin und Malerin Anita Hermeling stellt Aquarelle im Rathaus Sögel aus

"Ich lade Soegel_2.jpgSie zu einer unterhaltsamen Stunde mit einer bemerkenswerten Frau ein. Genießen Sie den Abend der etwas anderen Art!", kündigte Samtgemeindebürgermeister Helmut Westermann in seier Begrüßungsrede die Kunstausstellung und Autorenlesung von Anita Hermeling im voll besetzten Sitzungssaal des Ludmillenhofes an.

Aufmerksam und konzentriert hörte das Publikum dem Referant von Hermeling "Meine Ängste fallen aufs Papier" zu. Es schildert aufmunternd und anschaulich ihr Leben, lässt den Zuhörer aber auch an den Tiefpunkten des Lebens teilhaben.

Die aus Lindern stammende Künstlerin erhielt vor fast 30 Jahren die Diagnose "Multiple Sklerose". Sie riss sie mitten aus ihrem gesicherten Leben. Ein schwerer Kampf begann. "Glaube, Liebe und Hoffnung waren die drei Elemente, die mir aus der Krise halfen", sagt sie heute. Den Umgang im Alltag mit der Kranheit ließen auch die Lesebeiträge aus ihren bisher drei erschienen Büchern erkennen.

Im AnscSoegel_1.jpghluss an die Lesung fand die Eröffnung der Kunstausstellung im Altbaufoyer des Ludmillenhofes statt. Hier hatten die Besucher Gelegenheit, Anita Hermelings Aquarelle zu besichtigen. Landschaften, Blumen und Figuren in warmen Farben dargestellt und fachmännisch arrangiert vom Linderner Galleristen Volkmar Grigull schmücken die Wände des Ludmillenhofes. Viele Gäste ließen sich aber auch ein Buch von der Autorin signieren. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Reiner Zoch aus Lastrup auf der Sologitarre. Die Bilder sind bis zum 7.März im Ludmillenhof währen der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Weiterhin ist der Erwerb von den Büchern von Anita Hermeling im Rathaus möglich.

Emsland Zeitung, Mittwoch 18.Januar 2006 (IC)

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.