Münsterländische Tageszeitung

Anita Hermeling liest aus ihren Büchern auf kfd-Adventsfeier

Wachtum(hb)-Die seit Jahren an Multiple Sklerose erkrankte Anita Hermeling aus Lindern war Gast auf der gut besuchten Adventsfeier der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Wachtum. Weiterer Gast war Pater Alois Greiler, der scheidende Pfarrer des Pfarrverbundes Vinnen-Lahn-Ahmsen-Wachtum.

Der Maristenpater ist fünf Jahre zuständiger Geistlicher der Wachtumer Kirchengemeinde gewesen. Zum 1.Januar wechselt er nach Rom zum Generalhaus, dem Internationalen Leitungshaus der Maristen, um dort eine wissenschaftliche Arbeit über die Geschichte des international tätigen Maristenordens zu beginnen.

[inspic=9,left,fullscreen,thumb]Anita Hermeling berichtete über ihre Krankheitsgeschichte, stellte einige ihrer Gemälde vor und las Passagen aus ihrem neuen Buch „Gold und Alabaster“, das vor einem Jahr erschienen ist.

Darin beschreibt die Autorin den Lebensweg und die spannende Familiengeschichte der 50-jährigen Charlotte Bergmann, die an Multiple Sklerose erkrankt ist. In ihrem ersten Buch, der Autobiographie „Die andere Freiheit auf Rädern“, das vor fünf Jahren erschien, beschreibt Anita Hermeling in bewegender Weise den Verlauf ihrer Krankheit und ihr Bemühen, den Lebensmut nicht zu verlierne und anderen Menschen über ihre Erfahrungen zu berichten.

In der kfd-Adventsfeier erzählte Anita Hermeling, wie sie neue Kraft gewann, indem sie zu schreiben und zu malen begann. („Sobald ich Pinsel und Farbe vor mir habe, schalte ich meine Angst ab“) und wie sie sich wieder ihrem sozialen Umfeld zuwandte, dem sie mit der Verschlimmerung ihrer Krankheit eine Zeitlang den Rücken gekehrt hatte.

„Heute stehe ich mitten im Leben und nicht mehr daneben.“ Das Schreiben hatte sie mit dem Verfassen von Tagebüchern begonnen.

Mit ihren Büchern möchte die in Lindern lebende Autorin anderen Menschen, „die so leiden müssen wie ich, wissen lassen, dass es einen Weg aus dieser depressiven Verstimmung gibt.“ Gegenseitiges Akzeptieren sei wichtig, damit auf beiden Seiten der Mut für ein Miteinander wachse.

Münsterländische Tageszeitung, Samstag 23.Dezember 2006

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Über Anita Hermeling

Bereits in sehr jungen Jahren erkrankte ich an Multiple Sklerose. Nach der Geburt meiner Tochter, das Jüngste meiner 3 Kinder. Mit ihr war unsere Familie komplett, 2 Jungs, 1 Mädchen und wir die Eltern. Doch das Glück währte nicht lange. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, das spürte ich. Zwei bis drei Jahre lang suchte ich nach einer Erklärung, bis ein Arzt mich aufklärte. Die MS war in meinen Körper, in meine Familie, in unser Haus eingezogen. Die Krankheit zog mich immer mehr nach unten, körperlich und seelisch.Niemand glaubte mehr daran, dass ich mich aus diesem Sog befreien konnte. Da geschah das Wunderbare. Ich gewann an Lebensfreude und Energie und mein Körper machte mit. Freundinnen machten mich vertraut mit Hobbys, die ich sehr mochte. Das war der Anfang meiner "Karriere" als Malerin und Autorin. Eigene Ausstellungen und Lesungen halfen mir und Menschen, die so wie ich an dieser heimtückischen Krankheit litten, Mut und Energie neu zu entfachen. Drei Bücher zum Thema, sowie Gewinner - Geschichten .aus Wettbewerben sind aus meiner Feder entstanden. Die MS hielt still, solange nichts Negatives in mein Leben trat. Hier möchte ich vorläufig enden und genießen, was mir Positives geschah.